„Schwulenseuche“ und „Homopest“? (Ent-)Stigmatisierung von Homosexualität und HIV/Aids im Medium Spielfilm – Constanze Fiebach

AIDS, bzw. HIV sind im kollektiven Bewusstsein seit den ersten öffentlich wahrgenommenen Todesfällen mit Homosexualität (vor allem männlicher Homosexualität) verbunden. Die ersten Pressereaktionen auf die „Schwulenpest“ oder „Homosexuellen-Seuche“ stellen dabei nur die offensichtlichsten Auswüchse einer Geschichte der Stigmatisierung und Diskriminierung von Homosexuellen im Allgemeinen und HIV-Infizierten und Aidskranken im Besonderen dar. Die Germanistin Constanze Fiebach zeichnet die Geschichte dieser Stigmatisierung nach, von den ersten Ausbrüchen der Krankheit bis zu aktuellen gesetzgeberischen Interventionen, um dann die Darstellung von HIV und AIDS anhand der beiden Oscar-prämierten Spielfilme „Philadelphia“ (1993) und „Dallas Buyers Club“ (2013), die beide in der breiten Öffentlichkeit auf große Resonanz gestoßen sind, zu untersuchen. Kann die Traumfabrik Hollywood hier einer Aufklärung über die Krankheit sowie einer Entstigmatisierung der Betroffenen dienen, oder werden lediglich tradierte Muster weitergetragen und einer Geschichte der Verklärung und Diskriminierung ein weiteres Kapitel hinzugefügt?
„Philadelphia“, in dem generell ein positiver und „normalisierter“ Umgang mit Homosexualität und AIDS dargestellt wird, hat dabei das Problem, dass bestimmte klischeehafte tradierte Rollenbilder (AIDS in erster Linie als Problem Homosexueller) weitergetragen werden. Dennoch wird der Versuch unternommen, diesen Bildern Alternativen zur Seite zu stellen, die sie relativieren. Das aktuelle Beispiel „Dallas Buyers Club“ bricht mit dem klassischen Bild des AIDS-kranken Homosexuellen, indem als Hauptfigur ein homophober, dem klassischen Bild vom texanischen Cowboy und Frauenhelden entsprechender Lebemann gewählt wird. Beide Filme bringen zwar zunächst klassische Klischees ein, allerdings werden diese im Laufe der Handlung entkräftet. Beide Filme können möglicherweise bei der „Identitätsarbeit“ des durch die Krankheit vom eigenen Körper entfremdeten Subjekts helfen. In jedem Fall leisten aber die realitätsnahen Arztfiguren in den Filmen durch das Aufzeigen realer Infektionswege Aufklärungsarbeit in Hygienefragen. Das Medium des Hollywood-Blockbusters ist in dieser Hinsicht aufgrund seiner massenhaften Rezeption jedenfalls sehr gut geeignet.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.

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